Die Kriminacht im Wiener Kaffeehaus

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Morde über Morde, aber das Wiener Kaffeehaus lebt !

Über 16.000 Besucher bei der Kriminacht in Wien:

Von Katzen, Schafen und Morden...
Swann, Pirincci, Nabb & Co beim 2. Gipfeltreffen der Kriminal-Autoren

Serienmorde, Meuchelmorde, Eifersuchtsmorde, Giftmorde - und natürlich jede Menge Polizistinnen und Polizisten, Ermittler, Detektive - und Katzen und Schafe. Katzen ? Schafe ? Genau, gestern war natürlich wieder Kriminacht in den Wiener Kaffeehäusern und da gab es sogar Krimis mit Katzen und Leonie Swann lässt in ihrem Debutroman "Glennkill" sogar Schafe ermitteln - und verkaufte davon über 200.000 Bücher und ist seit über einem Jahr in der Spiegel-Bestseller-Liste ganz vorne dabei und mittlerweile bereits in 17 Ländern erschienen! Die in Berlin lebende Deutsche, die zwecks Schaf-Studium sogar für 4 Monate nach Schottland gezogen war, war nach 10 Jahren erst zum zweiten Mal in Wien und freute sich über die Autogrammjäger, die ihr nach den Radiointerviews beim Funkhaus auflauerten.

Für Akif Pirincci, der sich mit seinem aus der Katzen-Perspektive erzählten Krimi "Felidae" eine enorme Fan-Schar (und Verfilmungen) erschrieb, ist hingegen Wien wohlvertraut: studierte er doch zwischen 1978 und 1981 hier an der Film - Hochschule und war schon damals auffällig blutrünstig: So fabrizierte er den ersten Hals-Schuss in der österreichischen Film-Geschichte, der immer noch als Eigentum der Republik in den Archiven in der Marrokanergasse aufbewahrt wird! Pirincci: "Als ich mit 9 Jahren aus der Türkei nach Deutschland kam, war der Kulturschock bei weitem nicht so groß wie der mit 19 bei meiner Übersiedlung aus dem Rheinland nach Wien. Und von meinem Kamera-Professor habe ich 6 Monate lang überhaupt kein Wort verstanden, so unverständlich war für mich sein Wienerisch, aber dann wurde ich Wiener ..... und hier habe ich auch das Wein-Trinken gelernt." Im Cafe Sperl stellte er seinen neuen Roman "Der eine ist stumm, der andere ein Blinder" vor und schwärmte von den darin enthaltenen Sex-Szenen: "Der renommierte Eichborn - Verlag bezahlte mir sogar eine ordentliche Summe, damit ich diesen Roman nicht schreibe..."

Ebenfalls einige Wien-Bezüge hat Star-Autorin Magdalen Nabb: "Ich habe sogar diese Einladung nur angenommen, weil jetzt "Sturm-Zeit" ist, denn ich liebe Sturm - und Champagner !" In Wien war die seit den 70er Jahren in Florenz lebende gebürtige Engländerin schon öfter, sei es wegen der Breughel-Bilder oder der Lippizaner - hatte sie doch selbst einen der weißen Hengste in ihrem Besitz! Im Cafe Bräunerhof stellte sie ihr neues Maresciallo Guarnaccia-Buch "Eine Japanerin in Florenz" vor, und erwähnte nebenbei, daß ihre Werke auch ins Italienische übersetzt werden, im Gegensatz zu Donna Leons Büchern.

Im Cafe Korb saßen die Besucher bei Erika Pluhars Lesung sogar auf dem Boden, Nina Proll las auf der summerstage aus Wolf Haas, das Cafe Hummel platzte bei Adi Hirschals Lesung aus allen Nähten, ebenso das Museum mit Ernst Hinterberger oder das Weimar bei Alfred Komarek, insgesamt lasen in über 50 Kaffeehäusern über 70 Krimi-AutorInnen und Prominente, von Sandra Cervik über Karl Markovics, Peter Patzak, Georg Springer, Gerald Matt bis zu Heinz Holecek, Edi Finger jun. oder Bibiane Zeller, Hofrat Max Edelbacher und Ernst Grissemann.

Wie schon im letzten Jahr hingen vor allen Kaffehäusern Menschentrauben mit Gästen, die nicht mehr hineinkonnten, sodaß KR Günter Ferstl, Obmann der Wiener Kaffeehäuser, sich freudig die Hände rieb: "Mit dieser Aktion knüpfen wir endlich wieder an die großen Zeiten der Wiener Literaten-Cafés an !" Mit ihm freute sich Stefan Pöttler, Geschäftsführer von Echo Media als Veranstalter, gelang es ihm, die Besucherzahl auf über 16.000 mehr als zu verdoppeln: "Natürlich gibt es auch im nächsten Jahr wieder eine Kriminacht in den Wiener Kaffeehäuser."